BÜCHER IN DER MCL: SPRAY CITY – GRAFFITI IN BERLIN 1994

  • by Jacob Paulsen

Im Frühjahr 1994 fand im Rahmen des „X 94 – Junge Kunst und Kultur“-Festivals der Akademie der Künste die Ausstellung SPRAY CITY – GRAFFITI IN BERLIN statt. Das gleichnamige Buch erschien begleitend im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag und war der erste Bildband zu Graffiti in der Hauptstadt, welcher zudem auch Hintergründe und Einblicke in die Szene lieferte.
In der vorangegangenen Recherche konnten die Autorinnen Oliva Henkel, Tamara Domentat und René Westhoff (DISZ) detailliert in die Berliner Graffiti Szene eintauchen. Neben umfassenden Einführungen und Erklärungen, kommen eine Vielzahl an Akteurinnen in den zehn Kapiteln zu Wort. Szenegrößen des Westteils wie ODEM, BEN, DANE, KAGE, POET, SHEK und SKUME werden in Porträts vorgestellt sowie erstmals auch Writer*innen aus Ostberlin und einige Sprüherinnen der Hauptstadt.

SPRAY CITY ist keine Chronik, vielmehr zeigt der reich bebilderte Band einen Querschnitt an Protagonist*innen und somit den Status Quo der jungen Berliner Szene. Des Weiteren werden New Yorker Ursprünge beleuchtet, die Berliner Mauer und ihre Bedeutung für die Szene von Michael Nungesser beschrieben und LOOMIT ordnet die Stadt in einen internationalen Kontext ein. Doch auch das Spannungsfeld in dem die illegalen und legalen Werke entstehen wird erörtert: So äußern sich Vertreter der BVG, der Berliner Polizei und Bahnpolizei und Themen wie Gangkultur, strafrechtliche Folgen und Gewalt ergänzen den Inhalt.

Für die gesamtdeutsche Graffiti-Szene war das 1994 erschienene Buch ein wichtiger Impulsgeber. Erstmals konnte bundesweit ein Werk im Buchhandel erworben werden, das eigenständige Ausprägungen des amerikanischen Phänomens zeigte und authentisch auch für Außenstehende Graffiti nachvollziehbar darstellte. Dem Erfolg von SPRAY CITY folgten 13 weitere Bände der mittlerweile legendären GRAFFITI ART Reihe im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag.

Text: Sascha Blasche, Fotos: Sebastian Kläbsch

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