BÜCHER IN DER MCL: SUBWAY ART. Martha Cooper & Henry Chalfant. 1984.

  • by Jacob Paulsen

Martha Cooper war die erste festangestellte Fotografin der New York Times und fing für die Tageszeitung seit Mitte der 70er Jahre alltägliche Situationen auf den Straßen der Metropole ein. Als sie 1979 spielende Kinder in der Bronx fotografiert, fällt ihr ein kleiner Junge mit einem Skizzenbuch auf. Es ist HE3, ein Graffiti-Writer, der sich bereitwillig von ihr vor einem seiner Werke ablichten lässt. Als er anbietet sie DONDI, einer Szenegröße, vorzustellen, beginnt ihr Einstieg in die nach außen hin eher abgeschottete Graffiti-Welt.

In den folgenden Monaten erhält Cooper Einblick in die Szene, lernt unzählige Writer*innen kennen und hält hunderte der bunt bemalten Subways auf Film fest. So lernt sie auch Henry Chalfant kennen, der ebenfalls als Außenstehender die Werke der jungen Akteur*innen dokumentiert und beste Kontakte in die Szene hat. Anders als ihr Kollege, der die gesprühten Pieces möglichst frontal im Bahnhof stehend ablichtet, versucht Martha Cooper die Züge im urbanen Kontext einzufangen. Gemeinsam planen sie die Fotografien dieses einzigartigen Phänomens zusammenzuführen und in einem Buch zu veröffentlichen: ART TRANSIT.

Da jedoch kein amerikanischer Verlag bereit ist das Buch umzusetzen, finden die beiden Fotografen erst 1982 auf der Frankfurter Buchmesse mit Thames & Hudson einen Publisher, der sich dem Projekt annimmt. Zwei Jahre später erscheint ihr Werk als SUBWAY ART und wird der erste Bildband, welcher sich den bemalten Subways in New York widmet. Zusammen mit den Filmen Style Wars (1983), Wild Style! (1983) und Beat Street (1984) erreicht das Buch und somit auch Graffiti erstmals ein internationales Publikum.

Jugendliche auf der ganzen Welt beginnen so Mitte der 80er Jahre nach dem New Yorker Vorbild ausgedachte Namen als Pieces zu gestalten und auf Wände und Züge zu malen.

SUBWAY ART ist nicht nur Dokumentation, sondern auch Anleitung und prägt den Archetypen eines Graffiti-Pieces bis heute. Martha Coopers und Henry Chalfants Buch gilt weltweit als Bibel für Writer*innen.

Text: Sascha Blasche, Fotos: Sebastian Kläbsch

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