One Wall Maria Terwiel von innerfields

  • ONE WALL
  • by Constanze von Marlin

Einweihung: 9. Oktober 2025, 11 Uhr
Ort: Schwambzeile 7, 13627 Berlin

Das Wandbild „Akkord“ des renommierten Berliner Künstlerkollektivs innerfields würdigt den Mut und Widerstand von Maria Terwiel während des Nationalsozialismus. Diese bedeutende ONE WALL an der Fassade eines Wohnhauses in der Schwambzeile 7 in der Paul-Hertz-Siedlung in Charlottenburg-Nord entstand in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern der Anna-Freud-Schule.

Das Wandbild erinnert an Maria Terwiel, die während des Zweiten Weltkriegs Widerstand gegen den Nationalsozialismus leistete. In den Jahren 1941 und 1942 vervielfältigte sie Hunderte von Flugblättern, in denen sie die Verbrechen der Nazis anprangerte, und verschickte sie per Post. Zusammen mit ihrem Verlobten Helmut Himpel unterstützte sie außerdem verfolgte Juden. Terwiel gehörte einem Widerstandsnetzwerk an, das von den Nazis später als „Rote Kapelle” bezeichnet wurde. Sie wurde im September 1942 verhaftet, Anfang 1943 zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Das Motiv des Wandbildes entstand im Rahmen eines Workshops, den innerfields mit Schülerinnen und Schülern der Anna-Freud-Schule durchgeführt hat. Diese kreative Zusammenarbeit ermöglichte es den Teilnehmenden, sich intensiv mit der Geschichte von Maria Terwiel auseinanderzusetzen und ihre eigenen Perspektiven in das Kunstwerk einzubringen. Durch diese gemeinsame Arbeit lernten die Jugendlichen nicht nur künstlerische Techniken kennen, sondern entwickelten auch eine tiefere Verbindung zur Geschichte des Widerstands gegen das NS-Regime.

Das Mural „Akkord“ interpretiert ein historisches Foto von Maria Terwiel beim Spielen eines Akkordeons als kraftvolles Symbol. Die Tasten des Instruments werden zu Schreibmaschinentasten, die Notenblätter zu Flugblättern, eine visuelle Verschmelzung von Musik und Widerstand. Für Terwiel waren künstlerischer Ausdruck und politisches Handeln untrennbar miteinander verbunden. Der Titel „Akkord“ verweist zugleich auf die musikalische Bedeutung des Begriffs, das gleichzeitige Erklingen mehrerer Töne. Im übertragenen Sinne steht Akkord für den Zusammenschluss von Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Am 9. Oktober 2025 wurde die neue ONE WALL mit einer Reihe bewegender Reden feierlich enthüllt. Prof. Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, betonte die historische Bedeutung von Maria Terwiels Handeln und die Notwendigkeit, diese Erinnerung in der Gegenwart wachzuhalten. Dr. Daniel Aschheim, von der Botschaft des Staates Israel, hob die Relevanz des Gedenkens für heutige demokratische Gesellschaften hervor. „Die Botschaft, die von diesem Mural ausgeht, ist klar: Gleichgültigkeit ist keine Option, damals nicht und heute nicht.“ Susanne Moser, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung Berliner Leben und Ko-Intendantin der Komische Oper Berlin, sprach über die Rolle von Kunst im Quartier als Impulsgeber für Bildung und sozialen Zusammenhalt. Susanne Schade von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand beleuchtete das Mural als Ausdruck einer zeitgemäßen Erinnerungskultur, die junge Menschen aktiv einbezieht. „Ein öffentliches Erinnerungszeichen entfaltet seine Wirkung am meisten, wenn Menschen aus seiner Umgebung in die Entwicklung einbezogen sind.“ David Terwiel, Politikwissenschaftler, bedankte sich herzlich für das politisch sowie persönlich wichtige Gedenken an seine Angehörige. Amanda Szulczyk, Schülerinnen der Anna-Freud-Schule, berichtete von der Beteiligung. „Wir haben gelernt, dass Kunst mehr als Farbe an der Wand ist. Sie kann Mut sichtbar machen und Menschen verbinden.“ Die Künstler Jakob Tory Bardou und Holger Weißflog von innerfields hoben die kreative Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern bei der Motivfindung hervor.

Das Projekt wurde realisiert durch die Stiftung Berliner Leben in Kooperation mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und mit Unterstützung der Botschaft des Staates Israel | Berlin, der Gewobag sowie der Anna-Freud-Schule. Es ist bereits das dritte gemeinsame Mural-Projekt dieser Partner in der Paul-Hertz-Siedlung – einem Quartier, in dem viele Straßen nach Widerstandskämpfern benannt sind. Die ONE WALL von Paula Marie aus dem Jahr 2023 erinnert an die Familie Heilmann, und eine weitere ONE WALL von innerfields würdigt den Mut und den Widerstand von Dorothee und Harald Poelchau.

Fotos: Ludger Paffrath

Beteiligte Personen