Chris “Daze” Ellis. Dazeworld. The Artwork of Chris “Daze” Ellis
- Buchrezension von Brooklyn Street Art
- Martha Cooper Library
- MCL
- Januar 21, 2026
Dazeworld. The Artwork of Chris “Daze” Ellis. Chris “Daze” Ellis. 2016

Die Welt von Daze war schon immer dynamisch – ihre Energie speist sich aus den Gleisen, Tunneln und Straßen, die einst den Puls von New York City bestimmten. Dazeworld: The Artwork of Chris „Daze“ Ellis fängt diese Energie aus vier Jahrzehnten seines Schaffens ein und dokumentiert seine Entwicklung vom jugendlichen Graffitikünstler zum etablierten Maler und Mentor. Die von Schiffer herausgegebene 168-seitige Monografie versammelt über 250 Fotos – viele davon bisher unveröffentlicht –, die einen Künstler zeigen, der sich zwischen öffentlichem Raum und privater Reflexion bewegt.

Auf diesen Seiten tauchen Dazes frühe Graffitis erneut auf den Fahrzeugen der MTA auf, dokumentiert von Martha Cooper und anderen, die das goldene Zeitalter hautnah miterlebt haben. Diese rohen Archivbilder stehen neben leuchtenden Leinwänden und Wandgemälden, die einen reifen Maler zeigen, der keine Angst vor Selbstreflexion hat. Wie Daze in seiner Einleitung schreibt, handelt es sich hierbei nicht um eine Autobiografie im wörtlichen Sinne, sondern um eine geführte Reise durch prägende Momente – „die entscheidenden Punkte, die meine Kunst geprägt haben und es mir ermöglichten, mich als Künstler weiterzuentwickeln“.

Die Struktur des Buches spiegelt diese Aussage wider: von Graffiti High und der Kameradschaft in den Fluren der Kunst- und Designabteilung der 1970er Jahre über frühe Galerieexperimente mit Haring und Basquiat bis hin zu späteren Wandgemälden in São Paulo, Paris und New York. Jay „J.SON“ Edlins Essay „Transit(ion)“ verbindet diese Phasen präzise miteinander und zeichnet die Entwicklung des Künstlers von sprühlackiertem Stahl zu gespannter Leinwand nach – ein Wandel, der sowohl riskant als auch unvermeidlich war. Claire Schwartz‘ „From City as Canvas to Canvas as City“ betrachtet Dazes Atelierpraxis als Dialog mit der Metropole selbst, in dem Komposition für Aufruhr und Farbe für Zugfahrpläne steht.

Was dabei entsteht, ist das Porträt eines Künstlers, der eher auf Kontinuität als auf Bruch setzt. Auch als er die Tunnel gegen Ateliers eintauschte, behielten Dazes Werke den Rhythmus der Stadt bei – ihre Dichte, ihren Lärm, ihre Kollisionen. Seine Farben leuchten nach wie vor fluoreszierend, seine Figuren, ob Pendler oder Träumer, strahlen dieselbe stille Dringlichkeit aus. Sacha Jenkins‘ Vorwort ordnet diese Entwicklung in eine breitere Tradition des New Yorker Graffitis ein und erinnert die Leser daran, dass Überleben und Neuerfindung oft Hand in Hand gehen.

Die Leser können hier die Übergänge mitverfolgen: Fotos von gemeinsamen Wänden mit Crash, Skeme und Dez; Szenen aus dem Unterricht, in denen Daze neuen Generationen beibringt, Malerei eher als einen Akt der Übersetzung denn als eine Abkehr zu betrachten. Seine Welt bleibt durchlässig – persönliche Geschichte, kollektiver Horizont.

Wie die Stadt, in der er aufgewachsen ist, war auch Daze nie stagnierend. Dazeworld wirkt weniger wie eine Retrospektive, sondern eher wie eine offene Karte in Bewegung: Züge und Leinwände dienen als Koordinaten und zeichnen die Spuren der Beharrlichkeit eines entschlossenen Künstlers und eines der ersten Zugwriter New Yorks nach.

Text Steven P. Harrington and Jaime Rojo Fotos Eveline Wilson