Rafael Schacter. Monumental Graffiti: Tracing Public Art and Resistance in the City
Monumental Graffiti: Tracing Public Art and Resistance in the City. Rafael Schacter. 2024

In „Monumental Graffiti: Tracing Public Art and Resistance in the City“ regt Rafael Schacter dazu an, das Konzept der Monumentalität aus der Perspektive von Graffiti und straßenbasierten Praktiken neu zu überdenken. Anstatt Denkmäler als feststehende, dauerhafte Strukturen zu betrachten, versteht Schacter sie als Handlungen – als Gesten, die erinnern, beraten oder warnen. Auf der Grundlage Schacters Forschungen als Kunsthistoriker und Kurator für urbane Kunst untersucht das Buch, wie Graffiti und Denkmäler sich gegenseitig hervorheben können, und bietet damit einen Ansatz zum Verständnis des öffentlichen Gedächtnisses, der auf Gemeinschaft, Verkörperung und der Akzeptanz der Vergänglichkeit beruht.

Anhand von Bildern und Beispielen aus Straßen auf der ganzen Welt untersucht Schacter, wie Graffiti eine monumentale Funktion erfüllen kann, ohne sich auf Größe, Rechtmäßigkeit oder Beständigkeit zu stützen. Er argumentiert, dass Denkmäler nicht großartig oder dauerhaft sein müssen, um gesellschaftliche Bedeutung zu haben, und dass Graffiti durch seine Sichtbarkeit und öffentliche Präsenz Aufmerksamkeit auf eine Weise einfordern kann, die mit traditionellen Denkmälern vergleichbar ist. In diesem Rahmen wird Monumentalität eher konzeptionell als materiell, sie gründet sich eher auf Aktion und Partizipation als auf physische Beständigkeit.

Ein zentraler Schwerpunkt des Buches ist die Rolle von Gedenkpraktiken innerhalb der Graffitikultur. Schacter untersucht, wie von der Gemeinschaft gestaltete Wände, Ehrungen und Tags als basisdemokratische Denkmäler fungieren, die an Verluste erinnern, Zugehörigkeit signalisieren und gesellschaftliche Anliegen thematisieren. Er unterscheidet zwischen Gedenkwerken mit Sprühdosen – die oft sichtbar, kollektiv und weithin anerkannt sind – und Gedenk-Tags, die er als intimere und kryptischere Gesten beschreibt, die vor allem innerhalb der Subkultur verständlich sind. Beide Formen, so Schacter, fungieren als lebendige Denkmäler, die durch ein gemeinsames Verständnis und wiederholte Schreibakte geprägt sind.

Im gesamten Buch stellt Schacter diese Praktiken institutionellen Denkmälern gegenüber, die sich oft auf den Anspruch auf Beständigkeit und Autorität stützen. Die Akzeptanz der Vergänglichkeit durch Graffiti, so argumentiert er, stellt herkömmliche Annahmen über Stabilität und Bewahrung infrage. In seiner Auseinandersetzung mit Erinnerung und Vergänglichkeit vertritt Schacter die Ansicht, dass Vergänglichkeit die Bedeutung nicht schwächt, sondern sogar verstärken kann. Wie er erklärt, „hängt Bewahrung keineswegs nur mit Beständigkeit zusammen“, wobei er anmerkt, dass Dinge, die allgegenwärtig sind, oft am leichtesten in Vergessenheit geraten, während Abwesenheit die Erinnerung verstärken kann.

Schacter untersucht zudem, wie Erinnerung über die physische Form hinaus Bestand haben kann – durch Gesten, Bewegungen und wiederholtes Üben. Aus dieser Perspektive bedeutet das Verschwinden von Graffiti nicht das Ende seiner Wirkung. Vielmehr wird die Erinnerung von denen weitergetragen, die das Werk geschaffen haben, und von denen, die darauf gestoßen sind – insbesondere wenn sie dies in dem Wissen taten, dass es nicht von Dauer sein würde. Der Akt des Schreibens – mit all seinen Risiken und Wiederholungen – wird so zu einem Träger der Erinnerung.

„Monumental Graffiti“ plädiert weder für die Erhaltung von Graffiti, noch versucht es, Debatten über Rechtmäßigkeit oder Vandalismus zu klären. Vielmehr bietet es einen Rahmen, um Denkmäler und öffentliche Kunst aus einer anderen Perspektive zu betrachten, wobei der Fokus von Objekten auf Handlungen und von Beständigkeit auf Präsenz verlagert wird. Indem Schacter Graffiti als eine Form des lebendigen Denkmals neu definiert, lädt er die Leser dazu ein, zu überdenken, wie Städte Erinnerung bewahren, wer an diesem Prozess teilhat und wie Bedeutung im öffentlichen Raum entsteht.
Text Steven P. Harrington and Jaime Rojo Fotos Diana Paun