Urban Art Legends. Alan Ket (KET)

Alan Ket (KET). Urban Art Legends. 2016

„Urban Art Legends“ ist ein prägnanter, bildreicher Überblick über Künstler, die dazu beigetragen haben, Graffiti und Street Art von einer subkulturellen Praxis zu einer globalen kulturellen Präsenz zu machen. Verfasst von Alan Ket – bekannt unter seinem Künstlernamen KET, einem langjährigen New Yorker Graffiti-Künstler, Kurator und Förderer –, versammelt das Buch 38 Porträts von Persönlichkeiten, die er als entscheidend für diesen Wandel ansieht.

Der Band eröffnet mit einer knappen Einführung, in der Graffiti in das eingeordnet wird, was Ket als „diese andere Kunstwelt“ bezeichnet – ein paralleles System der Anerkennung, das sich außerhalb konventioneller Institutionen entwickelt hat. Von dort aus entfaltet sich das Buch als eine Abfolge kompakter Künstlersteckbriefe, in denen jeweils Farbabbildungen mit biografischen Skizzen und Kommentaren kombiniert werden. Ket beleuchtet Meilensteine der Karriere, stilistische Entwicklungen, Zugehörigkeiten zu Crews sowie Momente des Übergangs in Galerien, Museen oder kommerzielle Kooperationen. Der Aufbau ist übersichtlich und einheitlich, sodass sich das Buch auch für Leser, die mit dem Thema nicht vertraut sind, leicht lesen lässt.

Die Liste umfasst verschiedene Generationen und Regionen. Frühe New Yorker Zugmaler treten neben europäischen Schablonenpionieren und späteren Straßenkünstlern auf, deren Schaffen Schnittstellen zu Design, Mode und bildender Kunst aufweist. Bekannte Namen sind zwar vertreten, doch der Schwerpunkt liegt eher auf Einfluss und Werdegang als auf bloßer Berühmtheit. Mehrere Porträts verdeutlichen die in dieser Kultur verbreitete Doppelidentität – Künstler, die sich zwischen Straße und Atelier, Illegalität und institutioneller Akzeptanz bewegen – und vermitteln so einen klaren Einblick, wie die Bewegung im Laufe der Zeit an Reichweite gewann.

Kets Perspektive ist eindeutig die eines Insiders. Der Ton ist wohlwollend und zeitweise geradezu jubelnd; das Buch unternimmt keinen Versuch einer distanzierten soziologischen Kritik an Vandalismus, Legalität oder Eigentumsrechten. Stattdessen fungiert es als kuratierte Einführung in eine Gruppe von Künstlern, deren Werk nach Kets Ansicht die zeitgenössische visuelle Stadtkultur neu geprägt hat. Leser, die nach theoretischer Analyse oder umfassender Dokumentation suchen, werden die Darstellung eher als einführend denn als akademisch empfinden. Wer sich orientieren möchte – Namen, Bilder, historische Bezugspunkte und ein Gespür für die inneren Werte der Bewegung –, wird das Buch informativ finden.

Mit seinen 128 Seiten lässt sich das Buch in einem Zug lesen und deckt dennoch ein breites Spektrum an Themen ab. Die Abbildungen sind zwar selektiv, bieten jedoch einen starken visuellen Anker für jedes Profil, und das prägnante Format macht das Buch zu einem praktischen Ausgangspunkt für weitere Recherchen. Für Studierende, die sich erstmals mit Graffiti-Studien, urbaner Kunstgeschichte oder zeitgenössischer visueller Kultur beschäftigen, bietet „Urban Art Legends“ einen klaren Einstieg und eine kuratierte Übersicht über einflussreiche Persönlichkeiten. Für Wissenschaftler, die mit dem Fachgebiet bereits vertraut sind, dokumentiert es, wie ein prominenter Vertreter den Kanon aus der Perspektive der Bewegung selbst definiert.

„Urban Art Legends“ ist kompakt, aber aussagekräftig und dient sowohl als Einführung als auch als Statement – ein Insider-Leitfaden zu den Künstlern, die dazu beigetragen haben, Graffiti aus dem Randbereich in den Mainstream zu rücken.

Text Steven P. Harrington and Jaime Rojo    Fotos Diana Paun