In the studio with … Nuno Viegas

Der portugiesische Künstler Nuno Viegas stattete dem URBAN NATION in der letzten Woche ein Besuch ab und kreierte eine beeindruckende Installation für das Museum. Wir haben ihn getroffen, um ihm ein paar Fragen zu seiner Person und seiner aktuellen Arbeit zu stellen.

Wo kommst du her / wo lebst du aktuell?

Ursprünglich komme ich aus Quarteira in Portugal, in der Nähe von Faro. Jetzt lebe ich seit vielen Jahren in Rotterdam.

Du in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft?

Mit 13 oder 14 Jahren kam ich zum ersten Mal mit Graffiti in Kontakt. Es muss um 1999 sein. Nach der Schule ging ich zur Universität und studierte Informatik. Nach vier Jahren, ausgelöst durch meine Freunde und mein tieferes Engagement in der Graffiti-Szene, beendete ich das Studium und begann an der Universität der Algarve bildende Kunst zu studieren. Nach Abschluss meines Studiums ging ich nach Rotterdam und machte ein Praktikum bei einem Maler. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben und ein wichtiger Schritt in meiner Karriere als Künstler.

Dein Lieblingsmaterial?

Spraydose! Es ist ein tolles Werkzeug und perfekt geeignet für Fadings und Blendings. Man kann auch sehr realistische Sachen machen. Ich mag auch den Geruch. Aber ich weiß, dass es sehr ungesund ist, also schätze ich, dass ich in Zukunft ein anderes Material verwenden werde.

Hast du einen Favoriten unter deinen eigenen Werken?

Meine Erstwerke! Es war eine rote Hemdenmaske und ein Wendepunkt in meiner Karriere. Wenn ich es mir heute ansehe, bin ich immer noch aufgeregt.

Hast du einen Lieblingskünstler?

Puh! Es gibt so viele Künstler, die ich schätze. Viele Maler, Fotografen und Performancekünstler haben meine Arbeit beeinflusst. Es ist schwierig, einen besonders hervorzuheben. Aber wenn ich muss, dann würde ich Telmo Miel und Fanakapan nennen. Als ich Telmo Miel das erste Mal sah, war ich wirklich fasziniert. Mit der Arbeit inspirierten sie mich, meine eigenen Sachen zu machen. Fanakapan ist legendär! Seine Technik, die Art, wie er Schatten fallen lässt, ist einzigartig. Er ist auch ein toller Kerl, zu dem ich aufschaue, denn er ist sehr unterstützend und ich hätte nie erwartet, ihn kennen zu lernen.

Deine größte Inspiration?

Mein Großvater. Er war kein Künstler, er war Forstingenieur und hatte nichts mit Kunst zu tun, aber die Art und Weise, wie er mich behandelte, die Liebe, die er gab und unsere Beziehung zueinander hat mich stark beeinflusst und geprägt.

Du hast einen Wunsch frei! Was wünschst Du dir?

Ich wünsche allen, dass sie die Möglichkeit haben, zu fühlen, was ich fühle. Ich bin sehr dankbar und glücklich für den Vibe, den ich habe und den ich leben kann. Außerdem würde ich mir auch eine friedliche Welt wünschen.

Pop, Punk oder Electro?

Hip Hop

Legal vs illegal?

Legal

Drinnen oder draußen?

Auf jeden Fall draußen! Die Arbeit ist dann offen für alle – die, die sie lieben und die, die sie hassen.

Solo oder Zusammenarbeit?

Zusammenarbeit, weil man so den Moment und das Wissen mit den Personen teilen, kann, mit denen man arbeitet.

Warum arbeitest du mit URBAN NATION zusammen?

Ich kenne Yasha Young (Creative Director vom URBAN NATION) schon lange. Dieses Jahr im Mai habe ich bereits mit SNIK für das URBAN NATION-Projekt „Unity“ zusammengearbeitet und auch eines der Kunstwerke für „The Monster Project“ gemacht. Als ich an einer Installation für ein anderes Projekt in Rotterdam arbeitete, hatten wir eine lange Diskussion über meine Installation und die Möglichkeit, mit meiner eigenen Arbeit an „Live in the museum“ teilzunehmen.

Was ist die Geschichte hinter deinem Kunstwerk für URBAN NATION?

Am Ende kommt es auf die Graffiti-Szene an. Aus meiner Sicht ist die Geschichte von Graffiti falsch geschrieben. Für viele Menschen ist Graffiti, verglichen mit Mural Art oder Straßenkunst im Allgemeinen, visuelle Verschmutzung, aber für mich ist es das ehrlichste Kunstgenre. Die Installation ist also ein Porträt der Graffiti-Szene, wo die Kunst mit ihrer Intention im Vordergrund steht und wichtiger ist als der Künstler. Das ist der Grund, warum die Dummies die Schals tragen. Graffiti-Künstler sind Phantome, der Schal ist die Maske, hat eine Form, aber man erkennt das Gesicht nicht und bekommt keine Informationen über die Person hinter dem Schal. Das Graffiti ist das Einzige, was zählt!

Verwendetes Material?

  • Aerosol an der Wand
  • Figur I:155x49x50cm
  • Figur II:160x50x40cm
  • Figur III:170x50x40cm
  • Kleidung und Acrylfarbe auf Puppen aus Silikon
  • Gips, Plastikfolie, Klebeband und Papier

photos by Nika Kramer

Nuno Viegas – new installation for „Live @ the museum“

Beteiligte Künstler