ONE WALL BY JULIEN DE CASABIANCA

  • by Team Urban Nation

Kunstgeschichte trifft Street Art – Die Fassade in der Bülowstraße 101 bekam ein neues Wandbild. Im Rahmen der URBAN NATION Biennale 2019 wurde Julien de Casabianca eingeladen, um diesem Gebäude ein neues Antlitz zu verpassen.

Julien de Casabianca ist Franzose und Korse, Künstler, Filmemacher und Initiator der Projektserie “Outings”. Mit diesem Projekt bringt er seit 2014 weltweit ein Stück Kunstgeschichte in den urbanen Raum. De Casabianca zeigt Sequenzen historischer Gemälde als Paste-ups, also ein mit Kleister aufgezogenes Plakat, stark vergrößert an Häuserwänden und lässt so jeden an der Schönheit und Kraft der Künste teilhaben.

Für die URBAN NATION Biennale 2019, kuratiert von Yasha Young, verwandelte er das Gebäude gleich gegenüber des Museums zu einer überdimensionalen Leinwand, auf der er gleich zwei Motive unterschiedlicher Epochen aufgreift, um ein Thema abzubilden, das den inhaltlichen Rahmen der Biennale aufgreift: Eine Dystopie, die aus dem unverantwortlichen Handeln der Menschen hervorgeht.

ONE WALL BY JULIEN DE CASABIANCA

Julien de Casabianca erzählt diese Geschichte zum einem mit “Angel of Mercy” (“Engel der Barmherzigkeit”), ein Gemälde von Stevan Aleksić aus dem Jahr 1916. Es scheint, dass diese Engelsgestalt sein Gesicht vor Scham mit der Hand bedeckt. Dieses Motiv wird im Internetjargon als “Facepalm” bezeichnet, eine Geste, die als Emoji oder Meme für die Fremdscham einer unüberlegten Tat steht.

Auf der anderen Seite des Gebäudes zeigt de Casabianca einen Ausschnitts des Triptychons – “Das Jüngste Gericht” von Hans Memling aus dem 15. Jahrhundert. Diese Vorlage ist ein dreiteiliges Gemälde, das den Weltenrichter am Tag des Jüngsten Gerichts, die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag, die Seelenwägung durch den Erzengel Michael und der Einzug der Geretteten in das Paradies sowie der Gang der Verdammten in die Hölle darstellt. Julien de Casabianca greift eine Szene aus dem Teil auf, das die Verdammten auf den Weg in die Hölle zeigt.

Diese beeindruckende Darstellung von Kunsthistorie als Street Art ist in der Bülowstraße 101, Berlin-Schöneberg zu sehen.

Fotos: Nika Kramer