ONE WALL VON JIM AVIGNON

Neues aus dem Artpark Tegel: Der Berliner Maler, Illustrator, Musiker und Konzeptkünstler Jim Avignon kreierte eine neue ONE WALL, die dem Zeitgeist Ausdruck verleiht und die Frage nach der Zukunft zwischen Verunsicherung und Aufbruchsstimmung stellt. Zu sehen ist die neue Fassadengestaltung in der Neheimer Straße 8.

Ähnlich aufwühlend wie die stürmische See, die Avignon in seinem neuesten Werk abbildet, verlief auch die Produktion dieser ONE WALL. Waren ursprünglich zehn Tage für die Umsetzung dieser Fassadengestaltung geplant, hätte es Jim Avignon auch in nur vier Tagen geschafft, wenn kein Gewitter dazwischengekommen wäre. Er arbeitete wahnsinnig schnell und routiniert und wurde durch seine Assistentin bei der Durchführung unterstützt. Diese Dynamik spiegelt sich auch in diesem und anderen Werken des Künstlers wieder.

Surreal anmutend hat Avignon ein Wandbild geschaffen, auf dem eine illustre Reisegruppe zu sehen ist, die auf dem Weg in ein neues Abenteuer zu sein scheint. Schaut man sich die einzelnen Protagonisten hingehen genauer an, erkennt man den Symbolismus, der hinter den einzelnen Charakteren steckt. So steht das Haus für die Heimat, die Dollarmünze für den Kapitalismus, der Schornstein für die Industrie, das Smartphone für die Kommunikation und ein grimmig dreinschauendes Kreuzworträtselmännchen, das als eine zu beschreibende Projektionsfläche unserer Wünsche mit dabei ist. Das Transportmittel der Wahl dieser zusammengewürfelten Schicksalsgemeinschaft ist der Heißluftballon, dessen Ballonkugel die Erde ist – ein Sinnbild dafür, dass wir uns nur im Einklang mit ihr auf den Weg in eine Zukunft machen können.

Avignon erzählt mit seinem neuesten und bisher größten Wandbild verschiedene Geschichten, die sich alle um das Thema der Stadt gruppieren. Eines dieser Themen ist die Fragestellung, durch welche Faktoren die Stadt und ihre Bewohner*innen beeinflusst werden und wie sich die Zukunft der Stadt im Rahmen dieser Einflüsse formt Eine klare Antwort bleibt uns der Künstler schuldig, aber gerade die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten machen den Reiz des Werkes aus.

In Avignons charakteristischem Stil mischen sich in dieser ONE WALL fantastische Welten mit Gesellschaftskritik. Der Künstler malt seine Bilder schnell und in kurzer Zeit, sodass er aktuelle Alltagsthemen aufgreifen und verarbeiten kann und uns in seinen Werken oftmals den Spiegel vorhält.

„Wir sind froh, dass wir mit Jim Avignon einen Ausnahmekünstler für die Gestaltung einer ONE WALL gewinnen konnten, der die Kunstszene Berlins seit Jahren prägt und die Entwicklungen in der Stadt humorvoll und pointiert kommentiert. Mit dem Wandbild im Artpark Tegel ist es Jim Avignon einmal mehr gelungen, uns in surreale Welten abtauchen zu lassen und gleichzeitig – auf einer eher abstrakten Ebene – Fragen rund um das Thema der Zukunft der Stadt anzusprechen. Das Motiv „Ballon“ ist für mich ein sehr melancholisches, aber auch hintergründiges Motiv, an welches sich viele aktuelle Themen anknüpfen lassen. Im Kern geht es meiner Meinung nach um die Frage der Zukunft der Stadt und ihrer Bewohner*innen und Charaktere.“ – Jan Sauerwald, Leiter des URBAN NATION Museums und Kurator des ONE WALL-Programms.

Die ONE WALL von Jim Avignon befindet sich im Artpark Tegel, Neheimer Straße 8, Berlin-Tegel.

Fotos: Nika Kramer

Beteiligte Künstler