Hybrid Sculptors „it is nothing without you“

Was passiert, wenn Performance, Augmented Reality, Skulptur, Tanz und Musik aufeinandertreffen, konnten mehr als 350 Besucher*innen am Samstag, den 29. Februar, im URBAN NATION Projektraum erleben. Das Künstlerkollektiv Hybrid Sculptors boten mit ihrem Performance-Set „it is nothing without you“ Momente des Staunens, der Bewunderung, der Begeisterung und der Frage nach dem „Wie?“.

Die Materialien und die Utensilien, mit denen Hybrid Sculptors ihre innovativen Performances realisieren, sind in ihrer Kombination eher ungewöhnlich: unendlich viele Kabel, einige Kameras, Monitore und Mischpulte liegen neben Pinseln, Farbe, Akkuschrauber und Kontrabass, in der Mitte des Raumes steht zudem ein Lastenrad voll bepackt mit allerhand Technik. Wir trafen die Künstler am Vortag des Events im neuen URBAN NATION Projektraum in der Bülowstraße 97, nur wenige Meter vom Museum entfernt. Thomas Bratzke aka. Zasd steht gerade auf einer Leiter und montiert eine Kamera an die Wand, Mischa Leinkauf richtet sein Filmequipment ein und Michael Haves steckt Kabel in unzählige Soundelemente; später kommen noch Keez Duyves (Pips:Lab), Richard Koch respektive Trompete und Tänzer Kadir „Amigo“ Memiş für die Generalprobe dazu.

Hybrid Sculptors – buildup

Im Gespräch mit Zasd wurde deutlich, dass sich Hybrid Sculptors nicht nur als Kollektiv, sondern als ein Ensemble verstehen, bei dem jeder Einzelne Bestandteile seines jeweiligen Genres mitbringt und so die Gesamtperformance abrundet. Thomas Bratzke, der unter seinem Künstlernamen Zasd/Zast als Berliner Akteur des Writing und Metagraffiti seit Ende der 90er Jahre Writing in seine Bestandteile zerlegt und von dort aus seine künstlerische Arbeit entwickelt, ist seit 2019 Initiator und Teil von Hybrid Sculptors. Auf die Frage nach dem Genre von Hybrid Sculptors, ob es eine Form von Urban Art oder Street Art sei, zuckt Zasd nur mit den Schultern und erklärt, dass die Begrenzung auf eine bestimmte Stilrichtung eben genau das ist, was Hybrid Sculptors nicht sein wollen und auch nicht sein können. Durch die verschiedenen Einflüsse aus den Bereichen Jazz, Funk, Tanz, Technik und Malerei bewegen sie sich frei zwischen den Kunstformen und gewinnen dadurch die Dynamik und Agilität, die sie so einzigartig macht.

„it is nothing without you“

Am Abend des Events, an dem eingangs zwei jeweils 30-minütige Performances geplant waren, aber wegen des Besucheransturms spontan ein weiteres Set ergänzt wurde, erlebten die Besucher*innen schier Magisches und wurden sogar Teil der Kunst. Der Titel „it is nothing without you“ verriet bereits, dass Hybrid Sculptors nur im Kollektiv, also miteinander und gemeinsam stattfinden kann. Jedoch war es eine Überraschung für die Gäste, dass nicht nur die insgesamt sechs Künstler miteinander agieren, sondern dass auch sie – die Besucher*innen – Protagonisten der Performance wurden.

Für die immaterialle, räumliche Malerei, die den Kern der Kunstform von Hybrid Sculptors bildet, bedurfte es drei Leute: Zasd scannte Oberflächen, Gäste und Videosequenzen, die am Vortag direkt in der Nachbarschaft aufgezeichnet wurden – das Equipment dafür wurde auf dem bereits erwähnten Lastenrad transportiert. Keez Duyves bediente zwei Stäbe, mit denen er Formen im Raum zeichnete, ohne diese Formen direkt zu sehen, denn erst die spezielle Kamera von Mischa Leinkauf machte die Formen in der gescannten Farbwelt auf der Leinwand deutlich. Ergänzt wurde die virtuelle Malerei im Raum um einen weiteren Aspekt: Bewegung. Ausgestattet mit einem Motion Capture System ließ Amigo die im Raum gezeichneten Skulpturen durch seine eigenen Körperbewegungen „tanzen“. Diese visuelle Magie wurde durch die jazzige Trompete von Richard Koch und dem Soundbett aus Drums, Bass und Gitarre von Michael Haves untermauert und um akustische Elemente erweitert. Die „analoge“ Malerei durch Zasd direkt auf der Leinwand, die die Projektion der virtuellen Formen zeigte, machten das nahezu synästhetische Erlebnis komplett.

Hybrid Sculptors faszinierte die Besucher*innen aller drei Sets an diesem Abend. Der Applaus bewies dies deutlich – denn: „it is nothing without you“!

Hybrid Sculptors „it is nothing without you“

„Mit der Einladung von Hybrid Sculptors sowie der gezeigten Performance macht sich die inhaltliche Neuausrichtung des URBAN NATION Museums erstmals auch in seinem Programm bemerkbar. Die Bezüge der Künstler zur Graffiti- und Urban-Art-Kultur bieten einen interessanten Kontext für das URBAN NATION Museum und seine aktuelle und zukünftige Ausstellungspraxis. Thomas Bratzke aka. Zasd und Keez Duyves beziehen sich in ihren Arbeiten immer wieder auf Graffiti und den urbanen Raum. Dieser Hintergrund und die sich daraus entwickelnden künstlerischen Positionen, die stets auf Urban Art, Graffiti und Streetart rekurrieren, werden für die zukünftige Ausstellungspraxis des Museums von besonderem Interesse sein.“ – Jan Sauerwald, Leiter des URBAN NATION Museums.

Eine Edition der Arbeit: „it is nothing without you“ wird ab Mitte März als interaktive Installation im URBAN NATION Museum zu sehen sein und die Arbeit der Künstler auch für alle Besucher*innen des Museums erlebbar machen.

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Foto und Video: Johannes Schneeweiß